christophmueller.org

Student, Skåne, Silicon, Stuff...

Kungsleden 5: Trelleborg - Abisko

Schweden empfängt uns von seiner unschönsten Seite - während die Tom Sawyer sich ins Hafenbecken von Trelleborg dreht verstärkt sich der vorherige Nieselregen zu einem mächtigem Landregen. Es folgt die Suche nach dem Passagierausgang welcher sich in Form von “einfach mit vorn durch die Autoluke und dort in den wartenden Bus steigen” findet. Gemeinsam mit einer Gruppe schwerst bepackter Mädels - offensichtlich Pfadfinderinnen werden wir zum Checkingebäude gefahren und finden uns plötzlich mitten im leergefegtem Trelleborg wieder. Wir durchqueren die Innenstadt und finden den Busbahnhof - von dort geht es mit der Linie 146 nach Malmö Central.

Malmö Central

Wir haben Zeit, unser Zug gen Stockholm fährt erst gegen Mittag und so finden wir in der Innenstadt einen Laden in der wir zwei Regenhosen erstehen welche wir für den Fall das uns das Wetter ganz besonders mag mitschleppen - der Wetterbericht in den herumliegenden Zeitungen lässt böses vermuten.

Um 13:14 geht endlich der X2000 gen Stockholm - schicke in Edelstahl gefasste Schnellzüge - snabbtåget auf schwedisch welche auf grund ihrer Neigetechnik hohe Geschwindigkeiten erreichen ohne dass spezielle Hochgeschwindigkeitsstrecken nötig sind - auch innen schön weil man etwas mehr Beinfreiheit hat als im ICE und man auf allen Strecken Internet an Bord bekommen kann - etwas woran sich die deutsche Bahn noch eine Scheibe abschneiden könnte. Es geht durch Wald und an Seen vorbei, das Regenwetter scheint über Schweden zu kleben. Kurz vor Stockholm wird die Strecke hügelig, ständig fährt der Zug durch Tunnels. Wir erreichen pünktlich den Bahnhof von Stockholm und haben etwa eine halbe Stunde Zeit in der wir zwei Flaschen Wasser und belgte Brötchen erstehen. Der Bahnhof gleicht einem Labyrint - es wird gebaut und wir folgen den Schildern um uns plötzlich in einer großen Bahnhofshalle wiederzufinden um kurz darauf durch einen weiteren Gang zum Nachtzug (Nattåg) nach Narvik. Wir finden rechtr schnell unsere Plätze und kurz darauf rollt der Zug gen Norden.

Wir wachen am nächsten Morgen in Boden auf - hier verliert der Zug einen Teil seiner Kurswagen, zu unserem entsetzen auch den Speisewagen - uns ist die Nacht über das Wasser ausgegangen so dass wir ziemlich froh sind als wenige Minuten später ein neuer Speisewagen angehangen wird. Wir erstehen zwei Flaschen a 15 Kronen und zwei Muffins zu je 12 Kronen zum Frühstück und freuen uns über den inzwischen blauen Himmel mit vereinelten Wolken - unsere Laune bessert sich spürbar :-).

Wir durchqueren Gällivare und erreichen gegen halb Elf Kiruna wo wir die gewaltigen Erzbahnen bewundern - 52 überdimensionale Erzloren werden von gewaltigen E-Locks (Dm3 bzw. IORE) über die eingleisige Strecke gezogen, wir überholen einige an den Ausweichpunkten.

Es folgen die schönsten Kilometer der Strecke - es geht endlich ins Fjäll welches sich von seiner schönsten Seite zeigt - die Sonne scheint, wir fahren vorbei an Seen, niedrigen Birkenwäldern und Sumpfebenen mit weißen Farbtupfern - Wollgras. Links und rechts der Strecke erstrecken sich kahle Höhenzüge gen Himmel. Wenig später erheben sich Tjuonatjåkka und der Nissuntjårro linkerhand - zwischen den beiden Bergen liegt das Trogtal Lapporten - Wahrzeichen Abiskos und angeblich das meistfotografierteste Fotomotiv Lapplands.

Wenige Minuten später rollt der inzwischen fast leere Zug in den Bahnhof Abisko Touriststation. Wir steigen aus und gehen zunächst einmal über die Straße um im Laden der Fjällstation eine Abiskotasse für unseren kleinen Bruder zu erstehen und ein letztes richtiges WC aufzusuchen.

Comments